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Für die meisten Menschen sind Sprache und Sprechen etwas Selbstverständliches. Wir benutzen die Sprache in fast jeder Alltagssituation und vor allem, um mit anderen Menschen zu kommunizieren. Das gesprochene Wort kann helfen, trösten, belustigen und informieren, aber auch verletzen. So vergessen wir Erwachsenen oft, welch schwieriger Prozess es war, die eigene Muttersprache erst einmal zu lernen. Schon im Mutterleib lauschen wir kleinen Menschlein auf die Worte unserer Mutter. Sie gibt uns Sicherheit und bereichert schon dort unsere spätere Sprachentwicklung. Denn unsere Muttersprache wird uns von Grund auf in die Wiege gelegt. Verschiedenste Studien zeigen, dass Babies bereits in ihrer Muttersprachen lallen und brabbeln und es somit bereits ländertypische Unterschiede in der frühen Babysprache gibt.

Um die Sprache dann schließlich zu erlernen, benötigt es verschiedenste Faktoren, die dies ermöglichen. Als Basis für eine gesunde Sprachentwicklung des Kindes gehören ein intaktes Seh- und Hörvermögen, ein kommunikatives soziales Umfeld, eine gute Reizverarbeitung im Hirn, eine sich gute entwickelnde Fein- und Grobmotorik und eine feine Wahrnehmung. Ebenso begünstigt eine gute Mund- und Zungenmuskulatur den sprachlichen Start des heranwachsenden Kindes. Ärzte und Therapeuten haben konkrete Vorgaben wie weit ein Kind im jeweiligen Alter verbal entwickelt sein sollte, jedoch muss man sagen, dass jedes Kind sein eigenes Tempo hat und kleine Auffälligkeiten in der Sprache zur Entwicklung dazugehören. Eltern müssen also nicht beim ersten Lispeln ihres Schatzes besorgt sein und sollten nur die regelmäßigen Untersuchungen beim Arzt wahrnehmen, bei denen auch das Sprachvermögen getestet wird. Hierbei muss auch zunächst geprüft werden, ob eventuelle organische Ursachen die Sprachentwicklung behindern, denn ein geschädigtes Hörvermögen, Fehlbildungen der beteiligten Sprechorgane oder neurologische Auffälligkeiten können diese negativ beeinflussen. Ebenso können gewissen Ängste und Druck für sprachliche Probleme sorgen. Darum ist es wichtig, dass sich Ärzte und Logopäden den kleinen Patienten und sein soziales Umfeld in einer detaillierten Anamnese anschauen. Denn oftmals ist es leider so, dass Kinder in einem unzureichend kommunikativen Umfeld aufwachsen, in dem Medien übermäßig eingesetzt werden und dem Kind kaum Lernmöglichkeiten geboten werden.

Wie können Sie also Sprachentwicklungsstörungen bei Ihren Kindern vorbeugen?

  • Sprechen Sie von Anfang an mit Ihrem Baby. Es wird Sie wahrscheinlich noch nicht verstehen, aber nach und nach wird es sich immer mehr Wörter, wie den eigenen Namen, einprägen und es wird beginnen, Wörter nachzubrabbeln.

  • Halten Sie viel Blickkontakt und hören Sie auch dem Kind zu. Reagieren sie auf das „Gesagte“.

  • Ermahnen Sie ihr Kind nicht, wenn es etwas falsch ausspricht. Wiederholen Sie es einfach korrektiv und fordern Sie das Kind nicht zum nachsprechen auf ( zum Beispiel: Kind sagt „oh Smekkeling!“, dann sagen Sie „achso, du meinst einen Schmetterling!“)

  • Lesen Sie ihrem Kind frühzeitig vor. Das fördert nicht nur die Sprachentwicklung, sondern weckt auch die Phantasie!

  • Statt den Fernseher anzuschalten, schauen Sie sich ein nettes, altersgerechtes Bilderbuch mit Ihrem Kind an und gehen Sie die neuen Wörter immer wieder durch. Sie werden staunen, wie schnell sich ihr Kind das Wort zum Bild merken wird.

  • Verwenden Sie keine Babysprache, denn das hilft dem Kind überhaupt nicht beim Sprechen lernen. Verwenden Sie kurze und einfache Sätze und sprechen Sie deutlich.

  • Ermöglichen Sie Ihrem Kind regelmäßigen Kontakt zu anderen Kindern, denn gemeinsam lernt es sich doch am schönsten!

  • Stillen Sie Ihr Kind wenn möglich, das stärkt die Mundmuskulatur ungemein. Denn zu langes Flaschentrinken und Nuckeln wirkt sich negativ auf die Mundmuskulatur und Zahnstellung aus. Ersparen Sie Ihrem Kind lieber die spätere Zahnspange und schaffen Sie schlechte Gewohnheiten frühzeitig ab.

  • Bieten Sie Ihrem Kind Rohkost an, sobald es feste Nahrung zu sich nimmt, denn das Kauen stärkt die Mundmuskulatur ebenfalls.

Trotz all dieser Maßnahmen kann es natürlich vorkommen, dass das Kind Probleme beim sprechen entwickelt. Beim Kinderarzt erhalten Kinder mit Sprachentwicklungsstörungen problemlos ein Rezept für Logopädie. Der Logopäde untersucht und befundet die Sprache des Kindes sehr detailliert und behandelt den kleinen Patienten dann ganz individuell. Häusliches Üben ist hierbei unermesslich. Leider scheitert ein rascher Therapieerfolg dabei oft an fehlender Zeit oder Motivation der Eltern. Sehr häufig erschwert die Sprachbarriere der Eltern das Verstehen und die korrekte Umsetzen der Hausaufgaben.

Die Diagnosen im Kindersprachebereich sind vielfältig und in jedem Fall behandlungsbedürftig, weshalb Eltern auch nicht abwarten sollten, bis sich das Problem „verwächst“.

Am häufigsten haben die kleinen Patienten Probleme im phonetisch-phonologischen Bereich, das heißt in der Lautbildung und/oder in der Lautverwendung. Bei letzterem zeigen sich Abweichungen in der Aussprache des Kindes in Form von Wort- und Silbenstrukturprozessen ( also Vereinfachungen wie zum Beispiel „Melone- Lone“, oder Reduktionen von Konsonantenverbindungen wie „spielen-pielen“, Additionen wie „Katze-Katzel“ oder Elisionen wie beispielsweise „Löffel-Löffe“). Auch Ersetzungsprozesse wie „Becher-Besser“ oder „Küche-Küsse“ und auch Angleichungsprozesse wie zum Beispiel „Trampolin- Krampolin“ oder „tragen-kragen“ gehören zum phonologischen Bereich. Diesen Störungen liegen meist Probleme mit der Hör- und Speicherverarbeitung zugrunde. Ziel der phonologischen Therapie ist es, das Kind auf seinen Prozess aufmerksam zumachen, die Hörwahrnehmung zu schulen und die richtigen Muster zu beüben, damit sie dann korrekt abgespeichert werden können. Der Therapeut prüft in diesem Rahmen auch ab, ob das Kind Probleme mit dem Sprachverständnis hat.

Bei Auffälligkeiten der Lautbildung kann das Kind einzelne Laute wie „s“, „sch“ oder „k“ nicht richtig aussprechen. Diese Patienten zeigen oft Konzentrationsstörungen und eine schlechte intraorale Wahrnehmung. Ebenso beobachtet der Logopäde oft ein falsches Schluckmuster des Kindes und behandelt zumeist eine Störung der Zungen- und Mundmuskulatur, die mit den phonetischen Prozessen einher geht.

Am häufigsten sind jedoch Mischformen dieser Störungsbilder wie bei folgendem Fallbeispiel: Der kleine Linus (5 Jahre alte, Name geändert) kam mit seiner Mutter in die Praxis und ich habe eine detaillierte Diagnostik und Anamnese mit ihm durchgeführt. Dabei erzählte mir seine besorgte Mutter, dass Linus sehr häufig Mittelohrentzündungen hatte und ihm vor einem halben Jahr deswegen ein Paukenröhrchen eingesetzt werden musste. Jedem Logopäden klingeln bei diesen Worten die Ohren und es wird klar, woher die sprachlichen Defizite des Jungen kamen. Er hatte von früh an ständig nur ein eingeschränktes Hörvermögen, da die häufigen Entzündungen die Gehörgänge verengten. Das gesprochene Wort anderer Menschen kam also nur undeutlich bei ihm an und dementsprechend wurde es von seinem Gehirn verarbeitet und gespeichert. Deshalb klang Linus´ Aussprache so verwaschen und undeutlich. Außerdem konnte er mehrere Laute nicht korrekt bilden. In der Diagnostik stellte sich außerdem heraus, dass die Mund- und Zungenmuskulatur des Jungen sehr schwach war, was eine klare Artikulation natürlich nur noch mehr behinderte. Da Linus dank des Paukenröhrchens nun gut hörte, konnten wir mit der Therapie beginnen und zuerst die phonologische Bewusstheit des Kindes schulen. Das heißt, dass das Kind begreifen musste, dass Sprache aus Sätzen, Wörtern, Silben und Lauten besteht. Wir haben uns also spielerisch über Klänge bis zu seinen Problemlauten gearbeitet und diese dann in der Lautebene, Silbenebene, Wortebene und Satzebene geübt, bis sein Gehirn die richtigen Muster abgespeichert hat. Nebenbei mussten wir natürlich auch die Muskelschwäche mithilfe von mundmotorischen Übungen ausgleichen. Dank der mithilfe von Linus´ Mutter und dem häuslichen Üben konnten wir sehr schnell gute Erfolge erzielen und Linus hatte seine sprachlichen Schwierigkeiten bis zu seiner Einschulung überwunden.

Die kleineren Patienten in der Praxis haben oft Probleme mit fehlendem Wortschatz und man spricht von einem Defizit im lexikalischen Bereich, bei der die neuen Wörter fehlerhaft oder gar nicht gespeichert werden. Dadurch können sie nicht abgerufen werden, weil das Kinderhirn Vorwissen, Wortform und Wortmerkmale nicht miteinander verknüpfen kann. Der Logopäde nutzt meistens die Spielsituation, um dem Kind neue Wörter beizubringen. Dabei geht er kategorisiert vor, das heißt es werden Teilbereiche wie Farben oder Tiere bearbeitet. Mit etwas Kreativität lässt sich die Sprechfreude der kleinsten Patienten oft schnell wecken und ausbauen.

Im Vorschul- und Schulalter zeigen sich oftmals dann Probleme im Satzbau und der Grammatik des Kindes, welche meist aus früheren, nicht behandelten Sprachentwicklungsstörungen resultieren. Aber auch Mehrsprachigkeit, mentale Defizite oder andere Kommunikationsstörungen können eine korrekte Grammatik negativ beeinflussen. Die Grundlage einer erfolgreichen Therapie in diesem Bereich ist es, der Ursache auf den Grund zu gehen und genau da anzusetzen, wo es hakt.

Keine Sprechstörung, aber dafür Sprachstörung sind Auffälligkeiten im Redefluss wie Stottern und Poltern. Beim Stottern zeigen sich vielfältige Symptome, welche die Kontrolle des Patienten über den Sprechablauf massiv stören können. Neben unfreiwilligen Wiederholungen („Ma-Ma-Maus“), Dehnungen („Ffffffffisch“) oder Blockierungen (Verharren unter sichtlicher Anstrengung) kommt es sehr oft noch zu Atemauffälligkeiten, Grimassenziehen, Zwinkern und einer hohen Körperspannung. Der Leidensdruck beim Stottern ist sehr hoch und die Patienten leiden psychisch unter dem Druck, dass ihre Sprache nicht fließt und zeigen Flucht- und Vermeidungsverhalten. Ein wichtiger Teil der Therapie von Stottern ist es, dass sich der Patient mit seiner Störung identifiziert, sie also annimmt und lernt, damit umzugehen.

Polternde Patienten sind oftmals schwer zu verstehen, weil sie viel zu schnell sprechen, Wörter einfach auslassen oder miteinander verschmelzen lassen und ihre Betonung seltsam monoton ist. Der Polterer kann trotz vielen Sprechens nur sehr wenig Inhalt vermitteln, was häufig aber auch Problemen mit der Grammatik und Wortschatzeinschränkungen liegen kann. Der Logopäde arbeitet mit dem polternden Patienten vorallem an dessen Selbstwahrnehmung, der Atmung und Prosodie, weil diese oft gar nicht merken, dass sie zu schnell oder unverständlich reden.

Obwohl Kinder den Großteil des Praxisalltags ausmachen, müssen auch viele Erwachsene eine logopädische Therapie in Anspruch nehmen. Auch hier ist das Spektrum an Diagnosen riesig.

Immer häufiger trifft der Logopäde auf Patienten, die Probleme mit ihrer Stimme haben, also zum Beispiel durch anhaltende Heiserkeit oder gar Stimmverlust. Wenn keine organische oder psychische Auffälligkeit zugrunde liegt, finden sich die Probleme oft im falschen Gebrauch der Stimme. Die Betroffenen, häufig aus Sprecherberufen wie Lehrer oder Erzieher, benutzen ihre Stimme zu viel, zu laut oder nicht angemessen (beispielsweise, wenn eine Erzieherin viel zu hoch mit den Kindern redet, um sich ihnen anzupassen). Der Logopäde übt mit dem Patienten also den richtigen Einsatz der Stimme, zeigt ihm Möglichkeiten der Selbsthilfe durch Stimmhygiene oder Beruhigungstechniken.

Wenn ein Mensch nach abgeschlossener Sprachentwicklung nicht mehr oder nicht richtig sprechen kann, hat das oft schwerwiegende Gründe wie zum Beispiel Schlaganfälle oder Unfälle, welche das Gehirn massiv beschädigen können. Neben Sprech- und Sprachstörungen zeigen sich aber auch oft Schluckstörungen, deren Behandlung höchste Priorität haben muss, weil diese für den Patienten eine lebensbedrohliche Situation darstellen. Aber auch andere neurologische Krankheiten wie Multipler Sklerose, Demenz oder Alzheimer können zu Einschränkungen in Sprechen, Sprache, Stimme und Schlucken führen. Der Verlust des wichtigsten kommunikativen Mittels, der Sprache, stellt für die Patienten einen unheimlichen Leidensdruck dar und sehr viel Lebensqualität geht für sie verloren.

Deshalb sollten wir als gesunde Erwachsene dieses wunderbare Geschenk der Sprache nicht als selbstverständlich nehmen und schon den kleinsten Mitgliedern unsere Gesellschaft einen guten sprachlichen Start ermöglichen und selbst bewusster mit unserer Gesundheit umgehen, um späteren Schäden präventiv entgegenzuwirken.

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